Das Maß, erreichbar wünschenswert um des natürlichen Triebs und der Milde wegen

Deutungen2

Deutung

#1
Die Gnome stellt das „Maß“ in die Mitte: etwas, das zugleich erreichbar und wünschenswert sein soll. Im Hintergrund stehen zwei Kräfte: der „natürliche Trieb“ – also Lust, Ehrgeiz, Hunger nach Leben – und die „Milde“ – Rücksicht, Pause, Zuwendung. Im Licht unserer Lebensverhältnisse klingt das wie ein stilles Gegenbild zu einem Alltag, in dem viele entweder ständig über ihre Grenzen gehen oder gar nicht erst in die Nähe dessen kommen, was sie bräuchten. Wer in der Pflege Schicht um Schicht übernimmt oder als Alleinerziehende nachts noch Formulare ausfüllt, erlebt meist kein „Maß“, sondern dauernde Überforderung bei gleichzeitigem Mangel an Sicherheit. Gleichzeitig hat die Gnome etwas Idealistisches. Sie tut so, als ließe sich das rechte Maß einfach aus den eigenen Trieben und der eigenen Milde heraus finden. Dabei übersieht sie, wie eng der Spielraum vieler Menschen ist. Wer in einem befristeten Job arbeitet, immer in Sorge um die nächste Miete, kann sein „Maß“ kaum frei bestimmen. Er muss zusagen, wenn Überstunden anfallen, selbst wenn Körper und Familie längst „Nein“ sagen. Trotzdem kann die Gnome leise stärken. Sie erinnert eine Erzieherin, die jeden Nachmittag erschöpft in der Straßenbahn sitzt, daran, dass nicht grenzenlose Anpassung, sondern ein menschenmögliches Maß eigentlich der vernünftige Standard wäre. Und sie hilft, die eigenen Bedürfnisse nicht nur als Schwäche, sondern als Teil dieses „natürlichen Triebs“ zu sehen, der mit Milde – zu sich und anderen – in Einklang kommen darf, auch wenn die äußeren Verhältnisse dem oft entgegenstehen.

Deutung

#2
Das Maß lädt uns ein, die Mitte zu suchen: nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern gerade so, dass es uns gut tut. Es erinnert uns daran, dass unsere Wünsche nicht grenzenlos sein müssen, um erfüllend zu sein. Unser natürlicher Drang nach „mehr“ darf da sein, aber er wird von Freundlichkeit zu uns selbst und zu anderen weich gemacht. So wird das Erreichbare nicht klein, sondern liebevoll und menschlich. Im Alltag kann das sein wie ein Küchentisch, auf dem nicht alles perfekt ist, aber genug da ist: ein einfaches Essen, ein Glas Wasser, ein warmes Gespräch. Oder wie ein Spaziergang nach der Arbeit: Du gehst nicht bis zur Erschöpfung, sondern nur so weit, dass dein Körper sich lebendig und dein Kopf freier anfühlt. Musenmoment: Wir gehen nicht höher, als das Herz noch lächeln kann, nicht weiter, als der Atem ruhig bleibt. Im Maß der Dinge wächst die Milde, und das Erreichbare wird still genug.